29.11. Präsentation Schnitzelbeat Vol. 1 @ Transformer

Trash Rock Archives & Konkjord present Various Artists- “SCHNITZELBEAT Volume 1. Twisted Rock-N-Roll, Exotica & Proto-Beat Unknowns From Austria (1957-1965/1966)”.

LP (16 Songs) out on Digatone DIG 004) –
CD (20 Songs) out on Konkord (KONKORD 077).

Beide Tonträger sind jeweils auf 500 Stück limitiert und sind erstmalig im TRANSFORMER erhältlich.

Präsentation der LP/CD-Serie “SCHNITZELBEAT” mit Sound Lecture zum Thema “Rock-n-Roll in Österreich”.
Moderation: Ana Threat. Gesprächsteilnehmer: Albi Dornauer (Digatone), Wolfgang Reitter (Konkord) und Al Bird Sputnik (Trash Rock Archives).

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Am Abend findet dann die Release Party im Rahmen von ACCORDIA #07 – “SCHNITZELBEAT Vol 1: I love you, Baby!” – LP/CD-Release Party im Rhiz Vienna statt.
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Infos:
Digatone
Konkord
Trash Rock Archives

Was kommt Ihnen denn in den Sinn beim Stichwort Österreichische Populärmusik der 50er- und 60er-Jahre?

Freddy Quinn? Peter Alexander? Lederhosen? Oder gar das Schlagerschlösschen am Wolfgangsee? Der g´schupfte Ferdl? Oder war da vielleicht doch noch mehr, vielleicht sogar was richtig Wildes? Aber sicher, Sie haben’s bisher bloß noch nicht gehört… In diesem Sinne, herzlich willkommen in der wundersamen Welt des Schnitzelbeat!

Der Wiener Musikjournalist, DJ und Subkulturforscher Al Bird Sputnik hat im Rahmen der Kulturinitiative Trash Rock Archives in jahrelanger und mühevoller Arbeit unglaubliche Vinyl-Schätze ans Licht geholt:

Fundstücke, die belegen, dass es in Österreich ebenso einen vitalen Rock-N-Roll-Underground wie auch spektakuläre Vorboten des Austropop gegeben hat, ehe dieser seinen langen Schatten über die kleinen Sünden der Vergangenheit ausbreiten konnte.

Der erste Teil unserer mehrteiligen CD- und LP-Serie startet in den späten 1950er Jahren, als der Wiener Teenager Werner Gavac im Sinnentaumel sein “I love you, Baby” in einen “Voice-O-Graph”-Aufnahmeautomaten rotzt und damit eine erste, verrauschte Tonspur echter österreichischer Rock-N-Roll-Gegenkultur hinterlässt. Und damit geht sie los, die Tour de Force durch die juvenilen Erregungs- und Erschöpfungszustände im grauen Wien der Nachkriegsjahre.

Da singt uns etwa der spätere Erotikdarsteller und Grünen-Politiker Frank Roberts von Suff, Schlägereien und Prostituierten in Cuba (“Maloja”) – ein subversiver Angriff auf sämtliche Unerträglichkeiten des deutschsprachigen Fernwehschlagers. Die 4 Bambis – jawohl, das sind die mit der Weltballade “Melancholie” – setzen mit “Inka City” noch einen weiteren Exotica-Knaller drauf. Wir dürfen hier die seltene, bisher unveröffentlichte Demo-Version aus dem Jahr 1960 präsentieren, von der damals genau ein (in Zahlen: 1) Exemplar gefertigt wurde.

In dieser Fasson bewegen wir uns durch eine Parade obskurer Musikstile, die man so in der österreichischen Musikgeschichte nicht vermutet hätte: Harte Beat-Balladen mit schroff hingeschluderter R-N-B-Begleitung (The Hubbubs, “Nachts in Chicago”) treffen auf Surfbeat, der den Tornadoes zur Ehre gereicht hätte (The Austrian Evergreens, “Olymp”). Ein Doo-Wop-Welthit, den leider niemand je gehört hat (Franco Runa, “Komm little Girl”) paart sich mit knüppelhartem Garagenrock, der auf Augenhöhe steht mit den besten britischen und amerikanischen Bands der frühen 1960er Jahre (Hannes Patek & The Vienna Beatles, “Jeanny, Jeanny, Jeanny”; Jerry & The Cannons, “Rosalie”).

Und es hat schon einen Sänger vom Format eines Ferry Graf gebraucht, um der Welt klarzumachen, dass das “Hotel zur Einsamkeit” am Ende einer Wiener Vorstadtstraße steht und nicht in Memphis, Tennessee. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, dass Österreich in den frühen Sixties auch einen formidablen Cowboy-/Hillbilly-Entertainer namens Rockie Jackson am Start hatte, der “Baby let´s play house” auch nicht schlechter bringt als der King of Rock-N-Roll, der ihm sogar einmal persönlich die Hand geschüttelt hat.

Falls Ihnen nun der Lokalkolorit fehlt, auch da können wir Sie beruhigen und Ihnen Dolf Kauer´s “Blue-Jean-Jack aus Meidling” ans Herz legen: gegen den ersten echten Rock-N-Roll-Song auf Wienerisch wirkt Der Halbwilde wie ein brav frisierter kleiner Bub beim Kinderfreunde-Wandertag.

Sie sehen also, hier fühlen sich Schallplattensammler, Freunde der etwas abseitig geneigten Musik und der verschütteten Musikerbiographien ebenso wohl wie all jene, die immer schon der Meinung waren, dass man dem Österreicher an sich stets viel zu wenig zutraut. Denn auch wenn der Großglockner kein Mount Everest ist: die Luft da oben ist auch ganz schön dünn, die Aussicht hervorragend und die schönsten musikalischen Alpenblumen hat Al Bird Sputnik hier für Sie gesammelt.

Die Präsentationsveranstaltung anlässlich der Veröffentlichung von “Schnitzelbeat #1 – I Love You Baby!” (LP/CD) findet am 29. November, 15:00 – 16:00 im Transformer (in der Transporter-Bar), Kettenbrückengasse 1, 1050 Wien statt. Die Release-Party folgt am Abend des gleichen Tages (ab 21:00) im Rahmen der monatlichen DJ-Veranstaltung der Trash Rock Archives, dem Accordia-Schallplattenclub im Rhiz (U-Bahnbogen 37-38/Lerchenfelder Gürtel, 1080 Wien).

Nehmen Sie sich doch Zeit für ein Bier mit Herausgeber, Tontechniker und den A&R-Verantwortlichen der Schallplattenfirmen, für ein gutes Gespräch über Beat und die eine oder andere gemeinsam vor der Türe genossene Cigarette!