18.09. Präsentation Schnitzelbeat Vol.2 – Transformer & Rhiz

18.09.2015 TRANSFORMER
MQ – Museumsquartier Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Schnitzelbeat Vol.2 – LP/CD Präsentation
Start: 15.00h

Trash Rock Archives present…

VARIOUS ARTISTS- „Schnitzelbeat Vol. 2 – You Are The Only One“ (Raw Teenage Beat And Garage Rock Anthems From Austria 1964-1970)

LP (16 Songs) on Digatone
CD (20 Songs) on Konkord

Die Release-Party folgt am Abend im Rahmen des Accordia Schallplatten-Clubs
Rhiz (U-Bahnbogen 37-38 / Lerchenfelder Gürtel, 1080 Wien)

Veranstaltung auf Facebook

www.trashrockarchives.com
digatone.com

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Ein Sonntag im August 1965: Während der Herr Papa seinen himmelblauen Opel Kadett auf Hochglanz
poliert, drischt der Sohnemann in der Garage mit seinen Schulfreunden wie verrückt auf billige Kaufhausgitarren,italienische Käseorgeln und ohrenbetäubende Snare Drums ein. Die Haare sind länge rals die Polizei erlaubt, die schwarzen Boots so spitz wie Messer.
Was soll bloß aus dieser Jugend werden? Ist hier subversive Gehirnwäsche aus Moskau am Werk, um
das fleißige Österreich von innen heraus kaputt zu machen? Moskau?? New York! London! Hamburg!
– Von dort kam der neue, heiße und aufregende Sound in die Städte und Dörfer der Alpenrepublik.
Die Röhrenverstärker sind bis zum Anschlag aufgedreht, die Gitarren auf Kniehöhe tief gehängt, Vatis
Ziehharmonika längst gegen eine brandneue Höfner-Bassgitarre in Zahlung gegeben: Schnitzelbeat
Vol. 2 lässt es krachen. Teenager-Beat, Garagenrock und artverwandte brachiale Genres der mittleren
bis späten 1960er made in Austria. Gab´s doch gar nicht? Na dann, Ohren aufgesperrt!
Gleich der erste Song auf Schnitzelbeat Vol. 2 liefert high voltage: THE SLAVES zünden 1966 mit You
are the only one eine rohe und außerordentlich laute R’n’B-Granate. Energie, Speed, Druck, das Motto
lautet „Wir sind subversiv und unserer Zeit 10 Jahre voraus“. THE SLAVES gelten zu Recht als Ausnahmeerscheinung heimischer Popgeschichte. Dennoch – Sie waren nicht die Ersten und nicht die
einzig richtig Guten. Rauen Sound und richtig rotzige Attitüde lieferten schon THE BOYS aus Innsbruck.
Und das seit 1963. Gerade noch Teenager, Schulabbrecher – und mit Haut und Langhaar dem Rock’n’Roll verfallen. Ihre Eigenkomposition Come back to me hätte jeder deutschen, holländischen
oder britischen Beatkapelle zur höchsten Ehre gereicht. Auch Vorarlberg lieferte großartige Feindbilder
für alle fleißigen und braven Bürger: THE GAMBLERS rockten das Ländle bis in den letzten Tanzschuppen.
Wenn sie durften. Etliche österreichische Bands zog es wegen fehlender Auftritts- und Veröffentlichungsmöglichkeiten schnell in internationale Gewässer. Es war naturgemäß verführerischer,
in München, Zürich, Hamburg und London ein großes und schickes Publikum zu begeistern, als sich
im biederen Austria von allen Seiten anpöbeln zu lassen. „Einsperren!“, „Haare schneiden!“ – es gab
damals viele bemerkenswerte Vorschläge, den jugendlichen Beat-Fans gutes Benehmen, Recht und
Ordnung einzubläuen. Spätestens ab Mitte der 1960er Jahre betraten zahllose Amateurformationen und Schülerbands die regionalen Bühnen und rockten die Bierzelte, Kellerschuppen und 5-Uhr-Tee-Tanzsäle. Die unterschiedlichsten Stile und Genres der Zeit wurden auch hierzulande adaptiert und in großartige Neuschöpfungen verwandelt: Instrumentalrock (THE BEATFIRES – Interpol), Beatballaden (THE LOST GENERATION – I had forgotten), straighter Rhytm’n’Blues oder auch unanständig brutaler Garagenpunk. Anklänge an amerikanischen Folkrock (THE EARLS – Say the word) finden sich etwa ebenso wie wunderbar charmanter Underground-Sound, der daherrumpelt, als wäre er live im Schrebergartenhäuschen aufgenommen worden (THE MEADOWS – Future). Und manche drehten ganz einfach die großen Welthits des Beat durch den Fleischwolf, um der Nachwelt eine verdammt begehrenswerte,privat veröffentlichte 7″-Single zu hinterlassen (THE LAMBERTS – Crazy time). Eine wilde und aufregende Zeit. Modern ist das, was kracht und Spaß macht.
Zum Ende hin geht es in Sachen Drive nochmal aufs Ganze: Die Bregenzer DESPERATES hinterlassen
mit ihrer Fassung von LSD (aus der Feder der berüchtigten PRETTY THINGS, den finsteren Brüdern der Rolling Stones) eine der besten Versionen, die von diesem Gegenkultur-Klassiker je aufgenommen
wurde. Aber danach verabreicht das gänzlich obskure HARRY DAVID QUINTET das wesentlich stärkere und heftigere Schund-Aphrodisiakum LSD 3000. Schnitzelbeat Vol. 2: Handle with care.
Unglaublich, was für Schätze, Raritäten und Obskuritäten das Wiener Popkulturforschungsinstitut
TRASH ROCK ARCHIVES schon wieder aus seiner Vinyl-Wunderkammer gezogen hat, um endlich die
wirklich wahre Geschichte der österreichischen Pop- und Rock-Musik zu erzählen. Herausgeber Al
Bird Sputnik hat für Sie zum zweiten Mal die schönsten und ausgefallensten musikalischen Alpenblumen zusammengetragen.